Werbung für Monopolisten

Vor kurzem flatterte – wie auch allen anderen Haushalten der Region Schaffhausen – die Erstausgabe des FlexTax-Magazins ins Haus. Das durchgängig farbige und grosszügig bebilderte Magazin informiert über die Neuerungen im Zusammenhang mit der Einführung des integralen Tarifverbunds zum 1. Juni 2012 und bietet einen Ausblick auf die Einführung des Halbstundentakts nach Zürich; zudem wird Nina Burri – eine Kontorsionistin, die durch die Sendung «Das grösste Schweizer Talent» zu einiger Bekanntheit gelangte – als das neue «Gesicht» des Tarifverbundes vorgestellt.

Es stellen sich nun aber folgende grundsätzliche Fragen: (1) Muss der FlexTax-Tarifverbund Werbung machen und (2) was kostet diese Kampagne?

1. Muss der FlexTax-Tarifverbund Werbung machen?

Für auf dem freien Markt tätige Unternehmen haben Kundenzeitschriften – trotz des üblicherweise eher geringen Informationsgehalts – ihre Berechtigung, dienen sie doch der Verkaufsförderung, der Imagebildung und dem Aufbau einer Kundenbindung bzw. der Kundenpflege {Quelle: Wikipedia | Kundenzeitschrift}.

Monopolisten hingegen sind in der vergleichsweise komfortablen Lage, dass sie sich um ihre Kunden nicht zu bemühen brauchen. Die Kunden kaufen die vom Monopolisten hergestellten Produkte und Dienstleistungen unabhängig vom Image des Monopolisten; der Aufbau einer Kundenbeziehung ist nicht notwendig, da die Kunden in Ermangelung eines Konkurrenten zur «Treue gezwungen» sind.

Da der FlexTax-Tarifverbund im Bereich des öffentlichen Verkehrs in der Region Schaffhausen als subventionierter Monopolist wirtschaften kann, besteht nach den obenstehenden Ausführungen keinerlei Bedarf an Werbemassnahmen wie dem FlexTax-Magazin.

2. Was kostet diese Kampagne?

Ein echter Kritikaster ist natürlich besonders an den Kosten interessiert. Aus diesem Grund habe ich versucht, die Kosten des FlexTax-Magazins zu berechnen.

Meine «Back-of-the-envelope-Berechnung» ergab folgende Posten:

  • Allein für die Druckkosten der 50.000 16-seitigen, farbigen, gehefteten A4-Broschüren würden bei einem Anbieter wie beispielsweise «Onlinedruck.ch» rund 35.000 SFr. fällig {Quelle: Onlinedruck.ch | Offerte}.
  • Der Massenversand der B-Post-Grossbriefe an rund 50.000 Haushalte schlägt mit 47.500 SFr. zu Buche {Quelle: Post | Preise B-Post-Massensendungen}.
  • Dazu dürften nicht unerhebliche weitere Kosten für Layout, Texte, Bilder etc. kommen.

Gemäss den Angaben in der Zeitschrift öV-Info {Quelle: VÖV | öV-Info} schaltet der Tarifverbund zudem Werbetafeln im Schaffhauser Fernsehen (ab 500 SFr. pro Woche {SHf | Preise und Leistungen 2012}), Plakate F4 (1.700 SFr. pro Woche {Quelle: APG | Preise und Konditionen Wo 27–52}), Plakate F12 (4.700 SFr. pro Woche {Quelle: APG | Preise und Konditionen Wo 27–52}), Hängekartons in den Fahrzeugen (1.452 SFr. pro Woche {Quelle: APG Traffic | Innenformate}) und Trafficboards auf den Fahrzeugen (3.000 SFr. pro Monat {Quelle: APG Traffic | Aussenformate}).

Fazit

Angesichts der angespannten Finanzlage des Kantons Schaffhausen {Quelle: sh.ch | Finanzplan 2012–2015} und den vorgeblichen Schwierigkeiten schmerzlose Sparmöglichkeiten zu finden, drängt sich die Frage auf, weshalb für derartige Werbekampagnen Geld vorhanden ist. Und die FlexTax-Geschäftsführung sollte sich fragen, ob man die Kundschaft nicht besser mit gutem Service und günstigen Preisen zufriedengestellt und für ihre «Zwangstreue» belohnt hätte.

Ein Kommentar zu “Werbung für Monopolisten

  1. […] Mit Genugtuung hat der Bloggende feststellen dürfen, dass er mit seiner Unzufriedenheit mit dem FlexTax-Magazin (vgl. den Post «Werbung für Monopolisten») nicht allein zu sein scheint. Unter dem Titel «Weniger Nina Burri wäre mehr Information» […]

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