Erlesene Links vom 12. Januar 2013

Unter «erlesene Links» sammelt und verlinkt das kritikasterblog lesenswerte Beiträge aller Art. Heute mit Matt Taibbi zum lügenumrankten Narrativ der erfolgreichen bailouts.

Matt Taibbi über die «Secrets and Lies of the Bailout»

Via Fefe, der richtigerweise warnt, dass das Lesen des Artikels schlechte Laune verursachen kann. Aus dem Teaser:

The federal rescue of Wall Street didn’t fix the economy – it created a permanent bailout state based on a Ponzi-like confidence scheme. And the worst may be yet to come.

Erlesene Links vom 10. Januar 2013

Unter «erlesene Links» sammelt und verlinkt das kritikasterblog lesenswerte Beiträge aller Art. Heute mit JSTOR «Register & Read».

JSTOR öffnet sich auch für Privatnutzer – ein bisschen.

Mit dem «Register & Read»-Programm ermöglicht JSTOR nun auch Privatnutzern den Zugriff auf Teile seines riesigen Fachzeitschriften-Archivs (YouTube-Einführung): Wer über einen (kostenlosen) MyJSTOR-Account verfügt, hat Zugriff auf rund 1.200 wissenschaftliche Zeitschriften diverser Fachrichtungen (Zusammenstellung der verfügbaren Zeitschriftentitel) . Ein paar Einschränkungen gibt es allerdings: So haben «Register & Read»-Nutzer keinen Zugriff auf die Ausgaben der letzten drei bis fünf Jahre, können nur drei Artikel pro zwei Wochen lesen und die Artikel sind «read-only», d.h. es gibt keine Download-Möglichkeit. Aber immerhin ein Trippelschrittchen Richtung open access.

Erlesene Links vom 9. Januar 2013

Unter «erlesene Links» sammelt und verlinkt das kritikasterblog lesenswerte Beiträge aller Art. Heute mit Dieter Meyeer (alias «egghat») zur eidgenössischen Volksinitiative «gegen die Abzockerei».

Dieter Meyeer (alias «egghat») zur eidgenössischen Volksinitiative «gegen die Abzockerei»

Auf «Die wunderbare Welt der Wirtschaft!» hat Dieter Meyeer alias «egghat» – seines Zeichens «Goldener Blogger 2012 in der Kategorie Wirtschaft- und Finanzen-Blog» – eine lesenswerte und unaufgeregte Übersicht und Einschätzung über die 24 Forderungen der eidgenössischen Volksinitiative «gegen die Abzockerei» veröffentlicht.

Des indirekten Gegenvorschlages hat sich Meyeer noch nicht angenommen.

Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht: das Wegwerf-Plastiksackverbot

Mit einem Meisterstück der Symbolpolitik rettet die Schweiz die Welt wieder einmal vor dem sicheren Untergang. Am 13. Dezember 2012 hat nach dem Nationalrat auch der Ständerat der Motion 10.3850 von Nationalrat Dominique de Buman (CVP/FR) zugestimmt und dadurch den Bundesrat beauftragt, die Abgabe von Wegwerf-Plastiksäcken zu verbieten {Curia Vista 2013}. Dass es sich bei dieser Motion, um Symbolpolitik handelt, zeigt Motionär de Buman selbst, indem er in seiner Begründung anführt:

Auch wenn die Schweiz nicht mit denselben Problemen zu kämpfen hat wie die Länder des Südens, sollte sie bei der Umsetzung der 3R-Politik (‹reduce, reuse, recycle›, also: vermindern, wiederverwenden, rezyklieren) mit gutem Beispiel vorangehen. […] Es muss ein Zeichen gegen die Ressourcenverschwendung gesetzt werden. – {Curia Vista 2013}

Wir halten also fest: Obwohl in der Schweiz dank dem gut funktionierenden Entsorgungs- und Recyclingsystem bezüglich Wegwerf-Plastiksäcke kein Problemdruck besteht {Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates 2012}, sollen diese Plastiksäcke verboten werden, damit die betroffenen «Länder des Südens» – ergriffen von der symbolischen Strahlkraft des Schweizer Wegwerf-Plastiksackverbotes – sich ebenfalls dieses Problems1 annehmen und eine mindestens ebenso effiziente Entsorgungs- und Recyclinginfrastruktur aufbauen. Die Absurdität des Vorstosses wird nur noch durch dessen Unverhältnismässigkeit übertroffen da (1) die 3000 Tonnen an Plastiksäcken nur knapp einem halben Prozent des jährlichen Verbrauchs von rund 850.000 Tonnen Kunststoffen in der Schweiz entsprechen, (2) sich durch den Einsatz von soliden, langlebigen Tragtaschen und durch die Wiederverwendung von Kunststoffsäcken lediglich noch einige Hundert Tonnen an Kunststoffen einsparen lassen und (3) die Ökobilanz der als Alternativen in Frage kommenden Säcke sogar noch schlechter ist {Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates 2012}.

Dank Tyler Cowens {2013} «assorted links» bin ich zudem auf eine Studie von Klick und Wright {2012} gestossen, die auf einen in der politischen Debatte nicht diskutierten Aspekt eingeht. Aus dem Abstract der Studie:

Recently, many jurisdictions have implemented bans or imposed taxes upon plastic grocery bags on environmental grounds. San Francisco County was the first major US jurisdiction to enact such a regulation, implementing a ban in 2007. There is evidence, however, that reusable grocery bags, a common substitute for plastic bags, contain potentially harmful bacteria. We examine emergency room [ER] admissions related to these bacteria in the wake of the San Francisco ban. We find that ER visits spiked when the ban went into effect. Relative to other counties, ER admissions increase by at least one fourth, and deaths exhibit a similar increase. – {Klick und Wright 2012}

In ihrer Studie fassen Klick und Wright {2012} auch die Ergebnisse von Williams et al. {2011} zusammen:

Williams et al. {2011} randomly selected reusable grocery bags from consumers in grocery stores in Arizona and California. They examined the bags, finding coliform bacteria in 51 percent of the bags tested. Coliform bacteria were more prevalent in the California bags, especially those collected in the Los Angeles area. E. coli was found in 8 percent of the bags examined. The study also found that most people did not use separate bags for meats and vegetables. Further, 97 percent of individuals indicated they never washed their reusable grocery bags. Bacteria appeared to grow at a faster rate if the bags were stored in car trunks. This study suggests there may be large risks associated with using reusable grocery bags, though it does imply that fastidiously washing bags can virtually eliminate the risks. However, the survey results suggest that virtually no one washes these bags. This study highlights the risk of cross contamination involved with the use of these bags and the general tendency of their users not to clean them. Thus, it is possible that banning plastic grocery bags can lead to public health problems, as individuals substitute to reusable bags. – {Klick und Wright 2012, 6}

Mit dem Wegwerf-Plastiksackverbot bekämpft der Bundesgesetzgeber ein Scheinproblem mit einer Scheinlösung, die zudem voraussichtlich neue – tatsächliche – Probleme schafft. Aber immerhin zeigt das Plastiksackverbot wieder einmal das Grundproblem der Symbolpolitik: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.

Fussnoten

1 Selbstverständlich ist die Verschmutzung – insbesondere der Weltmeere – durch Plastikabfälle ein brennendes Problem wie etwa der Great Pacific Garbage Patch nachdrücklich zeigt. Nur trägt ein Wegwerf-Plastiksackverbot eines Binnenlandes wie der Schweiz nicht zur signifikanten Reduktion bei. Hätte man sich dieses Problems nicht nur symbolisch annehmen wollen, hätte man den betroffenen Ländern moderne Kehrichtverbrennungsanlagen hinstellen müssen, damit diese die Plastiksäcke nicht mehr auf offenen Deponien entsorgen, von wo sie der Wind in die Gewässer trägt – für die Gewissensberuhigung wären derartige Massnahmen aber wohl zu teuer gewesen.

Quellenverzeichnis

Cowen, T. (2013). Assorted Links. Abgerufen am 8. Januar 2013 von http://marginalrevolution.com/marginalrevolution/2013/01/assorted-links-666.html.

Curia Vista. (2013). 10.3850 – Motion Stopp der Verschmutzung durch Wegwerf-Plastiksäcke. Abgerufen am 8. Januar 2013 von http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20103850.

Klick, J. und Wright, J. D. (2012). Grocery Bag Bans and Foodborne Illness. Abgerufen am 8. Januar 2013 von http://ssrn.com/abstract=2196481.

Kommission für Umwelt Raumplanung und Energie des Ständerates. (2012). 10.3850 – Motion Stopp der Verschmutzung durch Wegwerf-Plastiksäcke: Bericht der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie vom 8. November 2012. Abgerufen am 8. Januar 2013 von http://www.parlament.ch/afs/data/d/bericht/2010/d_bericht_s_k20_0_20103850_0_20121108.htm.

Williams, D. L., Gerba, C. P., Maxwell, S. und Sinclair, R. G. (2011). Assessment of the Potential for Cross-contamination of Food Products by Reusable Shopping Bags. Food Protection Trends, 31(8), S. 508–513 Abgerufen am 8. Januar 2013 von http://www.foodprotection.org/publications/food-protection-trends/article-archive/2011-08assessment-of-the-potential-for-cross-contamination-of-food-products-by-reusable-shopping-bag/.

Unsichtbare Schaffhauser Attraktionen

Mit monatlich mehr als 75 Millionen Besuchern und über 74 Millionen Erfahrungsberichten {TripAdvisor 2013c} zu über 114.000 Destinationen und mehr als 235.000 Sehenswürdigkeiten und Attraktionen {TripAdvisor 2013a} ist TripAdvisor die weltweit grösste Reiseinformationsplattform {TripAdvisor 2013c}. Für viele, insbesondere für die internet-affine Touristengeneration, ist TripAdvisor die erste Adresse bei der Reiseplanung: Anhand der von Besuchern verfassten Bewertungen wird entschieden, welche Destinationen besucht werden, welche Sehenswürdigkeiten sich sonst noch in der Nähe des Reiseziels befinden, wo man was essen könnte und wo es preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten gibt.

Sucht man auf TripAdvisor nach «Schaffhausen», findet man überraschenderweise nur gerade vier Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten: die Burg [sic!] Radegg, die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh), die Bergtrotte Osterfingen und das Schwimmbad Beringen {TripAdvisor 2013b}. Zur Altstadt mit ihren 171 Erkern, den Stadtkirchen, den diversen Museen, der Rhybadi etc. bestehen keine Einträge. Der Munot, das Wahrzeichen der Stadt, hat zwar einen Eintrag, allerdings ist dieser – aus welchen Gründen auch immer – nicht der Stadt Schaffhausen zugeordnet.

Die Unsichtbarkeit der Schaffhauser Attraktionen auf TripAdvisor hilft sicher nicht, potentielle Besucher für einen Umweg nach Schaffhausen zu motivieren – und jene, die des Rheinfalls wegen in unseren Kanton kommen, wissen nicht, welche Attraktionen sie verpassen. Angesichts der Bedeutung von TripAdvisor frage mich, ob es nicht Sache von SchaffhauserLand Tourismus wäre, gemeinsam mit privaten Anbietern dafür zu sorgen, dass die Schaffhauser Attraktionen auf dieser Plattform sichtbar sind. Der Einwand, dass viele Informationen auf der offiziellen Website von SchaffhauserLand beziehungsweise auf den Websites von privaten Anbietern (z.B. Rhyfall-Mändli und den Hallen für neue Kunst) zur Verfügung stehen , ist nicht überzeugend, da es Aufgabe des Anbieters ist, die für die Reiseplanung notwendigen Informationen möglichst einfach – und möglichst dort, wo die potentiellen Besucher suchen – anzubieten.

Aus diesem Grund sollten die Schaffhauser Touristikanbieter dafür sorgen, dass

  • die Schaffhauser Attraktionen auf TripAdvisor zu finden sind,
  • die Adressen der Attraktionen richtig sind (was beispielsweise im Falle der Bergtrotte Osterfingen und des Schwimmbades Beringen nicht der Fall ist),
  • die Attraktionen ansprechend bebildert sind (vom Munot beispielsweise findet man auf TripAdvisor keine Bilder),
  • die Öffnungszeiten angegeben sind und regelmässig aktualisiert werden, und
  • die Websites oder Telefonnummern zur Kontaktaufnahme vorhanden sind.

Eine erhöhte und verbesserte Sichtbarkeit auf TripAdvisor würde voraussichtlich nicht nur dazu beitragen, dass Schaffhausen als Tourismusdestination besser – oder überhaupt – wahrgenommen würde, sondern auch wertvolle Feedbacks generieren, da die Besucher die von ihnen besuchten Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten bewerten und kommentieren können. Diese Feedbacks könnten und sollten dann der Verbesserung des Angebots dienen (z.B. Anpassung der Öffnungszeiten und Preise, deutlichere Beschilderung etc.). Wie eine gelungene Darstellung von Attraktionen in etwa aussehen könnte, zeigen die Beispiele der Zürcher oder der Luzerner Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten.

Von SchaffhauserLand Tourismus würde ich mir wünschen, dass sie die von ihnen selbst angebotenen Attraktionen – die Stadtführungen in Schaffhausen, in Stein am Rhein und am Rheinfall sowie ihre Erlebnisführungen – nicht nur auf ihrer Webseite, sondern auch auf TripAdvisor anführen. Zudem wäre es wünschenswert, dass SchaffhauserLand Tourismus mit dem ihm zur Verfügung stehenden Marketing-Fachwissen eine best-practice-Anleitung verfassen würde, eine Art «Hilfe zur Selbsthilfe», anhand derer auch private Anbieter ihre Angebote einfach und ansprechend präsentieren könnten; idealerweise würde SchaffhauserLand Tourismus den Touristikanbietern auch das qualitativ hochwertige Bildmaterial zur Nutzung zur Verfügung stellen.

Quellenverzeichnis

TripAdvisor (2013c). Über TripAdvisor. Abgerufen am 6. Januar 2013 von http://www.tripadvisor.de/pages/about_us.html.

TripAdvisor (2013b). Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in Schaffhausen. Abgerufen am 6. Januar 2013 von http://www.tripadvisor.de/Attractions-g188071-Activities-Schaffhausen.html.

TripAdvisor (2013a). Datenblatt. Abgerufen am 6. Januar 2013 von http://www.tripadvisor.de/PressCenter-c4-Fact_Sheet.html.

Gehören «Madame Etoile» und «Jeder Rappen zählt» zum Service Public?

SRF, SRF 1, SRF zwei, SRF info, Radio SRF 1, Radio SRF 2 Kultur, Radio SRF 3, Radio SRF 4 Kultur, Radio SRF Virus, Radio SRF Musikwelle

Die neue Markenwelt von SRF {Quelle: SRF}

Der Abschluss des Projekts «Medienkonvergenz und Wirtschaftlichkeit» der SRG SSR am 16. Dezember 2012 führte – erwartungsgemäss – zu erheblicher Kritik an den Umbenennungen der Sender: auf Facebook formierte sich die Gruppe «SRF 3 – wir wollen DRS3 zurück», auf zahlreichen Blogs (z.B. hier und hier), in den Kommentarspalten der Zeitungen (z.B. hier und hier) sowie in ungezählten Tweets (z.B. hier und hier) kritisierten die Zuhörer und Zuschauer die forcierte Konvergenz von Radio und Fernsehen.

Ungleich interessanter als die voraussichtlich ausbleibende Reaktion auf die Kritik am x-ten Rebranding sind die Antworten auf zwei kürzlich eingereichte Eingaben: die Petition zur Absetzung der Horoskop-Sendung «Madame Etoile» und die Beschwerde gegen die Spendenaktionssendung «Jeder Rappen zählt».

«Madame Etoile» als gebührenfinanzierte Scharlataneriepropaganda

In Reaktion auf das von Radio SRF 3 als «Highlight» angepriesene «Jahreshoroskop 2013» twitterte Denis Simonet am 1. Januar 2013:

Kann mal bitte jemand diese gutgläubige Menschen ausnutzenden und verarschenden Abzocker-Eso-Sendungen verbieten?

Am 3. Januar 2013 hat Andreas Kyriacou, Präsident der Zürcher Freidenker, eine Petition gestartet, welche die Absetzung von Monica Kisslings zweiwöchentlicher Horoskop-Sendung «Madame Etoile» fordert.1 In dieser von grossem Medienecho begleiteten und durch zahlreiche Tweets (#esoEktomie) befeuerten Petition kritisiert Kyriacou – zu Recht wie ich meine – die von Frau Kissling präsentierte Sendung als Scharlataneriepropaganda, die nicht mit dem in Art. 93 der Bundesverfassung (BV) i.V.m. Art. 24 Bundesgesetz über Radio und Fernsehen (RTVG) festgehaltenen Programmauftrag zu vereinbaren ist {Kyriacou 2013}; zudem sieht die Petition die Sendung als Schleichwerbung für die private Unternehmung von Frau Kissling (Impuls Beratung Monica Kissling). Aus ordnungspolitischer Sicht ist zudem stossend, dass Frau Kissling durch ihre Sendung durch SRF gebührenfinanziert jene Bekanntheit erhält, die ihrer privaten Firma die Einnahmen garantiert {Feusi 2013}.

Die ordnungspolitische Bedenklichkeit von «Jeder Rappen zählt»

Bereits seit 2010 stört sich Philippe Wampfler an der von den öffentlich-rechtlichen Medien jährlich veranstalteten Sammelaktion «Jeder Rappen zählt» (JRZ) {Wampfler 2010a, 2010b, 2010c}. In seinem ersten Post weist Wampfler {2010a} auf die ordnungspolitische Bedenklichkeit der «Jeder Rappen zählt»-Sammelaktion hin: Durch die permanente Präsenz von JRZ in den öffentlich-rechtlichen Medien und der Berichterstattung in den privaten Medien ist es für private Sammelaktionen schwierig, während JRZ zu Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit zu gelangen – der Werbedruck steigt {Bachmann2012}. Die übermächtige Konkurrenz durch «Jeder Rappen zählt» ist für private Sammelaktionen umso verheerender, als dass JRZ während der besonders ertragreichen Vorweihnachtszeit stattfindet {Wampfler 2012a}. Zudem wird «Jeder Rappen zählt» eine mangelhafte Kosten- und Verteilungstransparenz vorgeworfen {Glaus und Rafi 2011}; darüberhinaus wird der narzisstische Rahmen der Sammelaktion – insbesondere durch öffentlichkeitswirksame Spenden von «Prominenten» und Unternehmen – kritisiert {Wampfler 2012a}.

Am 23. Dezember 2012 schliesslich hat Wampfler {2012a} in einem Post seine Beschwerde an die Ombudsstelle der SRG zusammengefasst. Seiner – überzeugenden – Ansicht zufolge sollte angesichts der generellen Umstrittenheit der staatlichen Medienfinanzierung der Programmauftrag in Art. 93 BV i.V.m. Art. 24 RTVG eng ausgelegt werden. In seiner Beschwerde an die Ombudsstelle hält Wampfler {2012a, 2012b} fest:

  • Erstens entspricht die Aktion und die damit verbundenen Sendungen Wampfler zufolge nicht dem Auftrag von SRF gemäss Art. 93 BV i.V.m. Art. 24 RTVG. Die Hauptfunktion, Spenden für ein Hilfsprojekt zu sammeln ist nicht Aufgabe von SRF. Problematisch erscheint ihm das insbesondere, weil hier ein staatlich finanzierte Akteur mit starker medialer Präsenz Hilfswerke und NGOs konkurrenziert, die in Hilfsprojekten langjährige Erfahrung haben.
  • Zweitens ermöglicht die Sendung Privaten und Unternehmen, sich über Spenden zu profilieren. Dabei handelt es sich in Wampflers Ansicht nach klar um Schleichwerbung und unterschwellige Werbung, die gemäss Art. 10 Abs. 2 RTVG untersagt sind.

Inzwischen wurde Wampfler {2012b} der Eingang der Beschwerde bestätigt, materiell ist aber noch nichts entschieden.

Fussnoten

1 Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass Linus Schöpfer {2012} bereits am 28. Oktober 2012 in einem Artikel des Tages Anzeigers auf die Fragwürdigkeit einer Horoskop-Sendung auf einem öffentlich-rechtlichen Sender hinwies.

Quellenverzeichnis

Bachmann, M. (2012). «Jeder Rappen zählt»: Hilfswerke im Abseits. Abgerufen am 4. Januar 2013 von http://www.marcbachmann.ch/schweizer-hilfswerke-leiden-unter-%E2%80%9Ejeder-rappen-zahlt/.

Feusi, D. (2013). Astrologie: Petition gegen die Sternenwetterfee von SRF 3. Abgerufen am 4. Januar 2013 von http://www.ordnungspolitik.ch/2013/01/04/astrologie-petition-gegen-die-sternenwetterfee-von-srf-3/.

Glaus, D. und Rafi, R. (2011). Es zählt doch nicht jeder Rappen. Abgerufen am 4. Januar 2013 von http://www.sonntagszeitung.ch/nachrichten/artikel-detailseiten/?newsid=200810.

Kyriacou, A. (2013). SRF soll Scharlataneriepropaganda beenden. Abgerufen am 4. Januar 2013 von http://www.activism.com/de_CH/petition/srf-soll-scharlataneriepropaganda-beenden/41559.

Schöpfer, L. (2012). Radio Vollmond. Abgerufen am 4. Januar 2013 von http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Radio-Vollmond/story/13163978.

Wampfler, P. (2012b). JRZ: Verlauf der Beschwerde bei der Ombudsstelle. Abgerufen am 4. Januar 2013 von http://philippe-wampfler.com/2012/12/29/jrz-verlauf-der-beschwerde-bei-der-ombudsstelle/.

Wampfler, P. (2012a). JRZ: Beanstandung bei der Ombudsstelle von SRF. Abgerufen am 4. Januar 2013 von http://philippe-wampfler.com/2012/12/23/jrz-beanstandung-bei-der-ombudsstelle-von-srf/.

Wampfler, P. (2010c). Kotzen, motzen, helfen – eine Reprise. Abgerufen am 4. Januar 2013 von http://philippe-wampfler.com/2010/12/23/kotzen-motzen-helfen-eine-reprise/.

Wampfler, P. (2010b). Noch einmal JRZ – «Fundraising» und «Gegenaktion». Abgerufen am 4. Januar 2013 von http://philippe-wampfler.com/2010/12/14/noch-einmal-jrz-%C2%BBfundraising%C2%AB%C2%A0und-%C2%BBgegenaktion%C2%AB/.

Wampfler, P. (2010a). Die Obszönität des Helfens – Warum «Jeder Rappen zählt» zum Kotzen ist. Abgerufen am 4. Januar 2013 von http://philippe-wampfler.com/2010/12/12/die-obszonitat-des-helfens-warum-%C2%BBjeder-rappen-zahlt%C2%AB-zum-kotzen-ist/.

Claude Longchamps Szenarien zum Ausgang der Volksabstimmung über das Tierseuchengesetz

Eigentlich böte der Abstimmungskampf zum Referendum gegen die Änderung vom 16. März 2012 des Tierseuchengesetzes (TSG) eine politisch interessante Ausgangslage.

Zunächst verlaufen die Konfliktlinien in dieser Frage äusserst ungewöhnlich. Zutreffend hält die WOZ hierzu fest:

Der Bauernverband ist dafür, nicht aber seine fast immer verlässliche Partnerin, die SVP. Auch das links-grüne Agrarlager ist gespalten: Der Schweizer Tierschutz STS und die Grünen befürworten die Vorlage, die Kleinbauernvereinigung, Bio Suisse und Uniterre lehnen sie ab. {Dyttrich 2012}

Zudem handelt es sich um eine äusserst vielschichtige Vorlage: Zunächst hinterfragen die Referendumsführer den herrschenden, technokratischen «Machbarkeitsglauben»; darüberhinaus berührt die Vorlage aber auch Fragen zur föderalistischen Arbeitsteilung, zur Souveränität der Schweiz in Tiergesundheitsfragen und zur Selbstverantwortung der Tierhalter.

Zum Nachteil der öffentlichen Debatte führte die innere Spaltung der bedeutendsten politischen Lager, die Vielschichtigkeit und die daraus resultierende Komplexität und die Tatsache, dass das Referendum gegen das Tierseuchengesetz lange im Schatten der schliesslich nicht zustande gekommenen Referenden gegen die Doppelbesteuerungsabkommen stand,  zu einem äusserst flauen Abstimmungskampf. Wohl aus diesem Grund hat sich die Chefredaktorenkonferenz der SRG Medien entschieden, auf eine Vorbefragung zur eidgenössischen Abstimmung vom 25. November 2012 zu verzichten {Longchamp 2012a}.

In einem sehr lesenswerten Post zeigt Claude Longchamp, Wahl- und Abstimmungsanalytiker des Schweizer Fernsehens – gestützt auf den von ihm entwickelten Dispositionsansatz – auf, mit welchen Szenarien man bei dieser Vorlage rechnen kann. Dabei kommt er zum Schluss, dass das Ja-Lager wohl im Vorteil ist, dass aber die vorläufigen Dispositionen nicht gefestigt sind {Longchamp 2012a}. Nach seiner Ansicht hätten diese durch eine Kampagne zugunsten der Referendumsführer verändert werden können, aufgrund des flauen Abstimmungskampfes ist aber wohl eher mit einer Annahme der Vorlage zu rechnen. Generell erwartet Longchamp {2012a} keine hohe Beteiligung, was gemäss Longchamp {2012a} wiederum den Befürwortern des Tierseuchengesetzes helfen dürfte. Nicht berücksichtigt hat er allerdings den Einfluss von gleichzeitig abgehaltenen kantonalen und lokalen Wahlen und Abstimmungen.

Update vom 25. November 2012

In seinem Post vom 24. November 2012 geht Longchamp {2012b} von einer rekordverdächtigen Abstinenz beim Referendum gegen das Tierseuchengesetz aus; dabei stützt er sich auf die Auszählung der brieflichen Stimmbeteiligung im Kanton Genf und extrapoliert diesen Wert. Insgesamt erachtet Longchamp {2012b} eine Beteiligung von weniger als einem Drittel für wahrscheinlich, eine Beteiligung von weniger als 30% für möglich.

Quellenverzeichnis

Dyttrich, B. (2012) Schlimme und andere Seuchen. Abgerufen am 22. November 2012 von WOZ.

Longchamp, C. (2012a) Volksabstimmung über das Tierseuchengesetz – was man zum Ausgang jetzt schon wissen kann. Abgerufen am 22. November 2012 von zoon politicon.

Longchamp, C. (2012b) Vor einer rekordverdächtigen Abstinenz bei der Volksabstimmung über das Tierseuchengesetz. Abgerufen am 25. November 2012 von zoon politicon.